Abstract
<jats:p>Im Beitrag wird eine Szene aus einer schulpraktischen Begleitveranstaltung mithilfe einer doppelten Gruppenperspektive tiefenhermeneutisch interpretiert. Die Gruppendynamik in der Praktikumsklasse und die Dynamik in der Gruppe der Studentinnen in der als Fallbesprechungsseminar angelegten praktikumsbegleitenden universitären Lehrveranstaltung werden in ihrer Interferenz rekonstruiert. Gemäß der entwickelten Lesart wird von den ausschließlich weiblichen Teilnehmerinnen der Fallbesprechung adoleszenten männlichen migrantischen Schülern Aggression projektiv zugeschrieben, die bei den Studierenden ein kollektives Selbstgefühl konstituieren und stabilisieren hilft. In dieser kollektiven Abwehrbewegung erlangt eine ethnosexistische Stereotypisierung als gemeinsame studentische Gruppenfantasie über Schüler als fremde Andere hohe Bedeutung. In die Rekonstruktion fließen Überlegungen zu wechselseitigen (Des-)Identifizierungen, den realen und fantasierten Machtverhältnissen und der Herstellung von Herrschaft mit ein.</jats:p>